2. Oktober 2019 | 20 Uhr

Manchester by the sea

Drama | 2016 | USA

Packendes, bewegendes Drama über einen Mann, den der Tod seines Bruders zurück in seine  Heimatstadt Manchester-by-the-Sea zwingt, wo er sich jetzt um seinen 16jährigen Neffen kümmern soll, wo sich aber auch einst eine Tragödie ereignet hat. Der vielfach ausgezeichnete Film holte 2017 gleich 2 Oskars, u.a. für den besten Hauptdarsteller (Casey Affleck).

Lee ahnt noch nicht, dass der Anruf, der ihn an diesem kalten Wintertag erreicht, sein eintöniges Leben als Hausmeister in Boston für immer beenden wird. Nach dem plötzlichen Herztod seines Bruders soll der wortkarge Einzelgänger die Vormundschaft für seinen 16-jährigen Neffen Patrick übernehmen und nach Manches­ter-by-the-Sea zurückkehren. In jenen unglückseligen Küs­tenort, in dem er mit seiner Exfrau Randi und seinen beiden Töchtern einst gelebt hat.

 

Der Film blickt in die traurige Seele eines Mannes, der in einem Moment der Unaufmerksamkeit eine unglaubliche Schuld auf sich geladen hat. Dass die Wunden der Vergangenheit nicht verheilt sind, macht Regisseur Kenneth Lonergan („You Can Count on Me“) auf ebenso einfache wie geniale Weise deutlich. Die Rückblenden sind so nahtlos in die Handlung integriert, dass man den Wechsel zwischen den verschiedenen Zeitebenen manchmal kaum bemerkt. Hauptdarsteller Casey Affleck lässt den Zuschauer spüren, was es heißt, keinen Frieden zu finden und das eigene Leben kaum noch ertragen zu können. Wenn Lee betrunken ist, sucht er grundlos Streit. Die Schläge, die er einstecken muss, sind für ihn Bestrafung und Erlösung zugleich. Trotz der melancholischen Grundstimmung beweist Lonergan ein erstaunliches Gespür für komische Zwischentöne. Sein Erzählstil ist zurückhaltend, fast unscheinbar. Doch die ruhigen, konzen­trierten Bilder entfalten eine emotionale Wucht, die lange nachhallt.

 

 

Regie und Drehbuch: Kenneth Lonergan

Produktion: Matt Damon, Chris Moore, Lauren Beck, Kimberly Steward, Kevin J. Walsh

Musik: Lesley Barber

  

Besetzung

Casey Affleck: Lee Chandler, Lucas Hedges: Patrick, Michelle Williams: Randi, Kyle Chandler: Joe Chandler, Gretchen Mol: Elise, Matthew Broderick: Jeffrey, Kara Hayward: Silvie McGann, C. J. Wilson: George, Erica McDermott: Sue, Anna Baryshnikov: Sandy, Heather Burns: Jill, Sandys Mutter, Stephen Henderson: Mr. Emery u.a. 

 

Auszeichnungen

2016: Gotham Independent Film Award - Bester Schauspieler (Casey Affleck)

2016: National Board of Review Awards - Bester Film, Beste Originaldrehbuch (Kenneth Lonergan), Bester Hauptdarsteller (Casey Affleck), Bester Nachwuchsdarsteller (Lucas Hedges)

2016: New York Film Critics Circle Awards - Beste Drehbuch, Bester Hauptdarsteller (Casey Affleck), Beste Nebendarstellerin (Michelle Williams)

2017: Golden Globe Awards - Bester Hauptdarsteller (Casey Affleck)

2017: London Critics' Circle Film Awards - Beste Drehbuch (Kenneth Lonergan), 

Bester Hauptdarsteller (Casey Affleck)

2017: Oscar - Bester Hauptdarsteller (Casey Affleck), Beste Drehbuch (Kenneth Lonergan), vier weitere Nominierungen]

  

Filmkritik

Martin Schwickert vom Tagesspiegel spricht von einer Perle des US-Independent-Kinos und schreibt: „Mit genauem Blick für das Working-Class-Milieu, wunderbar präzise formulierten Dialogen und einem umwerfenden Casey Affleck entwickelt sich ‚Manchester by the Sea‘ zu einem herzzerreißenden Drama, das die Emotionen hinter der Sprachlosigkeit seines Helden sukzessive freilegt.“

 

Kai Mihm von epd Film lobt Casey Afflecks Darstellung als „Bravourstück in resolutem Understatement. Mit einem vielsagenden Minimalismus gelingt es ihm, einem zunächst unsympathischen Charakter ein Geheimnis zu geben – man spürt, dass Lees Stumpfheit Ausdruck einer tiefen Traurigkeit ist.“ Außerdem schreibt er über die seines Erachtens gelungene Mischung aus Humor und Tragik in dem Film: „Auch dies ist ein kluger Kniff, denn der Humor lässt die tragischen Momente umso erschütternder wirken; umgekehrt macht die grundlegende Traurigkeit das Lachen umso befreiender.“ Diese „nicht einfache Gratwanderung“ funktioniere „prächtig, dank Lonergans bemerkenswertem Gefühl für ungekünstelte Natürlichkeit. Nichts wirkt aufgesetzt oder manieristisch.“

 

Quellen: Google, Wikipedia, cinema.de